Weg vom zählenden Rechnen

Häufig zählen Kinder an den Fingern, anstatt zu rechnen. Sie betrachten dabei anfangs ihre Finger und zählen die Aufgabe rauf oder runter an den Fingern ab. In der dritten Klasse, also im Alter von ungefähr 8 Jahren werden ca 80 % der Aufgaben im Zahlenraum 20 bereits durch Auswendigwissen oder Ableiten gelöst.
Einige Kinder allerdings vollziehen die Abstraktion der Zahlen und des Zählens nicht und bleiben beim Abzählen an den Fingern, bzw. gedanklich an den Fingern. Man sieht dann häufig eine erstarrte Handhaltung und bemerkt nur mehr ein Zucken in den Fingern, da die Finger mehr oder weniger versteckt werden.

Das zählende Rechnen wird von einigen lernschwachen Kindern gern beibehalten, weil sie damit einheitlich die ersten Aufgaben lösen können und ihnen das Zählen einleuchtet und Sicherheit gibt. Das Zählen ist ein wichtiger Entwicklungsschritt für die Zahlbeziehungen, jedoch wird es mit zunehmendem Zahlenraum immer umständlicher. Kinder, die zählen, fokussieren sich auf das Zählen und hindern sich darüber, bereits auswendig gelernte Zahlensätze anzuwenden. Sie tendieren zur stereotypen Anwendung des Zählens und das Bedürfnis, sich etwas zu merken, wird nicht gefördert. Je älter die zählenden Kinder werden, umso mehr verlassen sie sich auf die instrumentelle Nutzung von Gegenständen und Fingern. Die Aufmerksamkeit wird vom Zählen im zunehmenden Zahlenraum zunehmend gefordert, sodass der Zusammenhang zwischen der Aufgabe und dem länger dauernden Zählverfahren deutlich beeinträchtigt wird. D.h. die assoziative Verknüpfung des Rechnens kann sich nicht ausreichend entwickeln und Aufgabenbeziehungen werden nicht erstellt. So wird z. B.: 4 + 4 abgezählt und 4 + 5 wird erneut vollständig abgezählt, auch 4 + 5 und 14 + 5 kann nicht in Bezug gesetzt werden. Das gefestigte Zählen hindert ein Kind also zunehmend, vernetzt zu rechnen, Zusammenhänge zu erschließen und eigene Lösungen logisch zu finden.